David Philippe hat in seinem Blog einen Artikel zum Thema Qualität und Bewertung geschrieben. Dabei geht es konkret um das Thema Ägypten.
Nachdem ich gestern eine Live-Berichterstattung in der ARD gesehen habe, wurde hier auch ganz schnell klar wo die Schwächen unserer journalistischen Qualitäten teilweise begründet sind.
Ich denke diese sind vorwiegend im Klientel-Journalismus zu sehen. Es geht vielen Medien meines Erachtens nach nur um die Ausnutzung des hektischen Flimmern, bei Gefahr und Gewalt. ARD-aktuell-Chef Kai Gniffke übt vorsichtige Kritik (spon)
an der eigenen Berichterstattung und erwähnt das sie selber in den letzten Jahren versäumt haben über die Verhältnisse aus dem totalitären Regime Ägyptens zu berichten. China erzeugt regelmäßig Aufmerksamkeit wegen der Menschenrechtssituationen, aber Ägypten ist wohl eher uninteressant.
Es war Jürgen Trittin, der sagte es wären auch repressive Maßnahmen der Bundesregierung gegen Ägypten möglich. Dabei wurde erwähnt das die 2009 genehmigten Waffenlieferungen für Ägypten im Umfang von 77 Millionen Euro eventuell auch ausgesetzt werden könnten. Nun frage ich mich, wie man einem totalitären Regime, das seit 20 Jahren Oppositionen zerschlägt, Menschen die sich gegen dieses Regime mit legitimierten Methoden wehren unter Hausarrest stellt oder des Landes verweist, wie man diese Regierung überhaupt mit Waffen beliefern kann.
Die USA als Freund und Förderer der Mubarak-Clique, stützt seit 20 Jahren dieses Regime, nur um eine Machtverschiebung in die Muslimische Richtung zu verhindern. Ob das Menschenwürde Praktiken sind? Ich frage mich dies wirklich und habe meine tiefen Zweifel.
Also ob eine muslimische Gesellschaft a priori etwas böses sei.
Zur Qualität in der Berichterstattung möchte ich kurz auf die oben genannte Berichterstattung zurückkommen. Der letzte Satz des Reporters aus Kairo war, “Es bedarf einer umsichtigen Reaktion Mubaraks, einerseits wird gefordert er solle zurücktreten und andererseits wäre es genau in diesem Moment gefährlich. Denn die Verfassungsänderung, die es auch Minderheitsparteien möglich macht, die Präsidentenwahl zu bestreiten, müsste erst noch abgesegnet werden.
Wenn der Rücktritt käme, würde das Parlament sofort aufgelöst und die Verfassungsänderung hatte noch keine Gültigkeit für die nächste Wahl.
Die nächste Frage des Nachrichtensprechers an einen Gast im Studio war dann, wann tritt Mubarak zurück? – Guter Journalismus sieht für mich anders aus.
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1 Kommentar bis jetzt ↓
hi,
gleich von einem “versagen” zu sprechen, halte ich für etwas vorschnell. sicher ist die berichterstattung verbesserungsfähig. das wird ja auch eingeräumt. ich sage dir/Ihnen ja nichts neues, wenn ich drauf hinweise, daß journalismus auch immer ein produkt der journalisten ist, das einen käufer sucht. durch die gebühren der öffentlich-rechtlichen, wird das problem etwas entschärft. leider haben sich die öffentlich-rechtlichen zu sehr nach dem wind gedreht, und sich den privaten angepasst. es wird weniger gefragt, “was ist passiert?”, als vielmehr “was will der zuschauer sehen?”. hintergründe sind sehr viel schwieriger zu vermitteln, als kurze, bunte bilder. die frage ist auch, ob ein 15minuten format der tagesschau überhaupt noch angemessen ist. glücklicherweise gibt es aber redaktionen, die sich trotz quotendruck um hintergründe bemühen. das deutschlandradio nimmt meiner meinung dort eine vorbildrolle ein. es wäre auch schön, wenn man den zuschauern klarzumachen versuchte, dass die nachrichten immer nur einen sehr kleinen, sehr subjektiven ausschnitt der welt zeigen (können)
grüsse
andre
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